Sieh in den Wald und spüre deine Kraft.

Sieh in den Wald und spüre deine Kraft.

Wenn sich bei Themen, die uns wichtig sind, nichts mehr bewegt, sollten wir uns bewegen.

Im vergangenen Jahr habe ich sehr plötzlich meinen Praxis-Raum aufgrund von Eigenbedarf aufgeben müssen. Einer Klientin, die dringend um einen Termin bat, schlug ich ein Coaching im Wald vor. Ich wusste, sie ist ein Bewegungstyp, und so sagte sie freudig zu. Seither bestätigt sie mir immer wieder, wie gut und nachhaltig dieses Wald- und BewegungsCoaching für sie war. Wir nahmen uns zwei bis drei Stunden Zeit, um eine wichtige Unternehmensübergabe zu besprechen, Fakten zu sortieren und Überlegungen abzuwägen.

Im Wald sind wir in ein größeres Ganzes eingebunden. Auch mit unserem Thema. Meine Klientin genoss es sichtlich zu erleben, wie die Sonne durch die Bäume schien, die Blätter sich im Wind bewegten und das eine oder andere Tier sich sehen ließ. Zum Beispiel das emsige Eichhörnchen, das sie als passende Metapher für ihre fleißige Arbeit der letzten Jahrzehnte erkannte. Ihr Kernthema war offenkundig, nämlich die Vorzüge ihres Unternehmens nach außen zu kommunizieren und es dann auch loszulassen.

Ich passte mich ihrer Schrittgeschwindigkeit an und nahm mir Zeit, einen guten Rapport aufzubauen. Dabei half mir der Weitblick: Ich sehe die Vielfalt des Waldes und habe gleichzeitig meine Klientin im Blickfeld. Ich höre unsere Schritte im Wald und bin ganz präsent und bei ihr und ihrem Thema. Wir erkunden, was im besten Fall mit ihrem Unternehmen passieren soll, wie die optimale Übergabe aussehen kann und wie sie den Wert ihres Unternehmens einschätzt. Im Gehen fällt es leichter, die Gedanken zu ordnen, so auch meiner Klientin. Sie begann neue Möglichkeiten der Übergabe in Erwägung zu ziehen und ganz besonders auch die Früchte ihrer Arbeit zu erkennen, sie zu benennen und sich zu überlegen, wie sie diese präsentieren kann. Sie überlegte sich, wie eine passende Nachfolgerin für sie aussehen müsste und vermochte für die Übergabe auch grob einen Termin ins Auge zu fassen. Nach einem Zweistunden-Gang vermittelte sie den Eindruck, ihre Gedanken gut sortiert und mehr Zuversicht für ihr Vorhaben gewonnen zu haben.

Die Klientin und ich fühlten uns vom Wald und dem Leben in ihm unterstützt.
Eine Bank mitten im Wald kam wie gerufen, denn zum Abschluss eines Coachings führe ich gerne eine 10- bis 15-minütige Hypnose durch. Dabei fasste ich die Essenz der zwei Stunden zusammen und lud die Klientin ein, den weiteren Prozess an das Unbewusste abzugeben. So konnte er ganz von selbst weiterlaufen. Die Vögel legten den passenden Klangteppich zu meinen Worten aus und selbst ich als Coach lauschte ihrem Gesang ergriffen, während ich sprach. Sowohl die Klientin als auch ich fühlten uns vom Wald und dem Leben in ihm unterstützt.

Seit dieser Zeit verlegte ich viele Coachings in den Wald und stelle dabei fest, dass die Themen mehr in Bewegung kommen als im üblichen Setting. Bewegen wir uns, dann werden auf einmal Gedankenschleifen aufgebrochen, neue Ideen beginnen zu sprudeln und wir spüren neue Tatkraft. Auch nutze ich gerne Körperübungen, die an der frischen Luft und unter dem Eindruck einer belebten, vielgestaltigen und bewegten Welt viel intensiver als im geschlossenen Raum wirken.

Ich erinnere mich an eine Klientin, die sich beruflich verändern wollte und dabei über Monate Stagnation verspürte und auch entsprechende körperliche Beschwerden entwickelt hatte. Ihr half eine Übung zur Lockerung des Schulterbereiches während eines Coachings im Wald. Ich zeigte ihr, wie sie die Arme beim Gehen bewusst schwingen kann, um den Schultergürtel zu entspannen. Schultern tragen oft mit an der Last des Alltags. Beim Schwingen lösen sich Verspannungen im Schultergürtel und eine heitere Stimmung stellt sich ein. Das brachte auch den Veränderungsprozess meiner Klientin in Schwung. Sie versuchte seit einiger Zeit ihre Stelle zu wechseln, aber es wollte einfach nicht gelingen. Mit über 50 Jahren und in leitender Stellung wollte sie sich mit ihrem Wechsel natürlich verbessern und suchte eine leitende Tätigkeit. Da auch sie ein leidenschaftlicher Bewegungstyp ist, leitete ich das Coaching mit einer Bewegungsübung für die Schultern ein (siehe Kasten).

Thematisch stand sie kurz vor dem nächsten Bewerbungsgespräch und wir kümmerten uns im Wald um die Frage, wie sie sich selbst überzeugend nach außen darstellen kann. Was waren die Highlights in ihrem langen Berufsleben? Welche besonderen Kompetenzen erwarb sie in dieser Zeit? Wofür konnte sie sich momentan mit ganzem Herzen begeistern? Es dauerte eine Weile, bis sie zu ihren Ressourcen zurückfand. Und plötzlich fi el ihr vieles ein. Dass es ihr als Chefi n immer gelungen sei, ihre Verwaltungsmitarbeiter in einer positiven Haltung zu stärken. Zum Beispiel ratsuchende Bürger nicht als Bittsteller zu sehen, sondern als Kunden zu betrachten. Während sie erzählte, erreichten wir eine Lichtung mit großen Bäumen. Spontan lud ich sie ein, sich an einen dieser Bäume zu stellen und sich vorzustellen, wie sie Kontakt mit seinen Wurzeln aufnimmt. Und dann die Stärke aus dieser Verwurzelung ebenso zu spüren wie ihre Kompetenz im Umgang mit ihren Mitarbeitern. Sie verband sich gleichermaßen mit dem Baum und der Erde und jenen Situationen, in denen ihr gute Führung gelang. Und auch mit der künftigen Situation ihres Bewerbungsgesprächs, in dem sie dann ihre Stärken spüren und sich auf ihre Kernkompetenzen besinnen würde. Sie ging sehr entspannt in das nächste Bewerbungsgespräch und hat die neue Leitungsstelle bekommen.

Stellen Sie sich an einen guten Platz auf, am besten in der Natur oder an einem Fenster mit schönem Ausblick. Lassen Sie die Arme locker vor- und zurückschwingen. Achten Sie darauf, dass Sie die Arme nicht im Schultergürtel festhalten, sondern locker hängen lassen, bevor Sie mit dem Schwingen beginnen. Dabei können die Schultern in ihren Kugelgelenken schön rollen und wieder beweglich werden. Verspannungen lösen sich dabei oft wie von selbst. Lassen Sie auch Ihre Augen dabei locker werden und nehmen Sie abwechselnd etwas in der Ferne und dann wieder in der Nähe in den Blick. Beginnen Sie dann ein paar Schritte mit schwingenden Armen zu gehen. Sie werden rasch merken, wie die Stimmung steigt und Sie sich mehr und mehr beschwingt fühlen. Nutzen Sie die Übung dann, wenn Sie den Eindruck haben nicht richtig voranzukommen, ein Stimmungstief haben oder Ihnen die Ideen fehlen. Sie können auch im Sitzen mit den Armen schwingen. Körper und Geist erfrischen sich und neue Ideen können sprudeln.
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